kein Kindesunterhalt für vierte Ausbildung

Eltern sind gegenüber den Kindern zum Unterhalt verpflichtet und dies gegebenenfalls nicht nur bis zur Volljährigkeit, sondern je nach Konstellation auch darüber hinaus bis zum Abschluss einer Ausbildung. Immer wieder gibt es im Familienrecht darüber Streit, ob ein vom Kind begonnener Weg noch eine Ausbildung darstellt, z.B. wenn verschiedene Schulabschlüsse, eine Ausbildung und im Anschluss ein Studium sich aneinanderreihen. Ganz grundsätzlich kann man sagen, dass zueinander passende und sich ergänzende Ausbildungsschritte noch eine einheitliche Ausbildung darstellen können. Auch eine gewisse Unterbrechung und Überlegungsfrist für den eigenen Berufsweg wird dem Kind in der Rechtsprechung grundsätzlich zugebilligt.

Ein allzu unsteter Ausbildungsweg mit hin und her springen zwischen verschiedenen schulischen und beruflichen Ausbildungen lässt in der Regel aber den Unterhaltsanspruch des Kindes gegenüber den Eltern entfallen. So verhielt es sich auch in einem nun vor dem Amtsgericht Ravensburg von Rechtsanwalt Dr. Mattes geführten Verfahren:

Die Tochter meines Mandanten machte Volljährigen-Unterhalt geltend, weil sie das Abitur noch ablegen wolle und anschließend studieren.

2004-2008 besuchte die Tochter meines Mandanten die Grundschule und anschließend bis 2014 die Realschule. Danach arbeitete die Tochter rund sieben Monate im Buchhandel. Anschließend besuchte sie zwei Jahre ein Berufskolleg für Gesundheit und Soziales, welches sich mit der Fachhochschulreife beendete. Im Rahmen dieser Ausbildung absolvierte sie auch ein Jahr lang ein Praktikum als Erzieherin. Anschließend begann sie mit einem Studium der Medizintechnik, brach dies aber nach drei Monaten wieder ab. Im direkten Anschluss unterzeichnete die Tochter einen Ausbildungsvertrag als Einzelhandelskauffrau. Diese Ausbildung brach sie nach sieben Monaten ab. Ab August 2018 kehrte sie in das Berufskolleg zurück, um dort ihr Abitur abzulegen, was voraussichtlich im Frühjahr 2020 erfolgen sollte. Nach eigenen Angaben wollte sie anschließend mit einem Lehramtsstudium beginnen.

Muss mein Mandant nun weiter Unterhalt für die volljährige Tochter zahlen?

NEIN, wie das Familiengericht Ravensburg in dem von mir erfolgreich geführten Verfahren entschied. Denn grundsätzlich durfte mein Mandant davon ausgehen, dass die ab Juli 2015 aufgenommene Ausbildung an dem Berufskolleg der Tochter die Möglichkeit gab, eine dem eigenen Berufswunsch entsprechende Berufsausbildung zu erwerben. Stattdessen brach sie dies vor dem Anerkennungsjahr ab und nahm ein Studium auf. Auch diese zweite Berufsausbildung brach sie ab und schloss einen Ausbildungsvertrag zur Einzelhandelskauffrau. Auch diese dritte Ausbildung brach sie ab und gab nun an, das Abitur machen und anschließend Lehramt studieren zu wollen. Für diese vierte Ausbildung muss mein Mandant jedoch keinen Unterhalt mehr bezahlen.

Haben auch Sie Fragen zum Familienrecht bei Scheidung, Trennung, Unterhalt oder der Vermögensauseinandersetzung (Zugewinn / Güterrecht), so steht Ihnen in unserer Kanzlei Rechtsanwalt Dr. Mattes als Fachanwalt für Familienrecht gerne zur Seite.Wir beraten und vertreten Sie in der gesamten Region Oberschwaben und Bodensee an unseren drei Standorten in RavensburgWangenIsny

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Steuerbegünstigte Handwerkerleistung „im Haushalt“?

Steuerermäßigungen für die Inanspruchnahme von Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen können nach § 35a Abs. 4 S. 1 EStG nur in Anspruch genommen werden, wenn die Handwerkerleistung in einem Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht wird. Diese Frage beschäftigte in letzter Zeit immer häufiger die Finanzgerichte.

Streitfrage hierbei war des Öfteren, ob Leistungen des Handwerkers in seiner Werkstatt auch noch als „im Haushalt“ anzuerkennen ist oder nicht. Dies wurde nun u.a. vom Finanzgericht München abgelehnt und die Auffassung der Verwaltung gestärkt.

Im konkreten Fall ließ sich ein Steuerpflichtiger von einem Schlossereibetrieb ein neues Kellergeländer anfertigen und montieren. Der Kläger wollte die Arbeitskosten für die Fertigung des Geländers in der Werkstatt der Schlosserei und für die Montage vor Ort am Haus als Handwerkerleistungen nach § 35a Abs. 3 EStG geltend machen. Das Finanzamt erkannte nur die Arbeitskosten für die Montage des Geländers im Haus selbst als begünstigte Handwerkerleistung an und kürzte die Arbeitskosten, welche für die Fertigung des Geländers in der Werkstatt angefallen waren, da diese Arbeitsleistung nicht im Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht worden sei. Das Finanzgericht München (11 K 2998/16) bestätigte die Auffassung des Finanzamts.

Das Geländer wurde in der 15 km entfernten Schlosserei hergestellt. Die Handwerkerleistung wurde nach Auffassung des Finanzgerichts eindeutig außerhalb des Haushalts des Klägers ausgeführt und sei deshalb nicht steuerlich begünstigt. Auch wenn das in der Schlossereiwerkstätte hergestellte Kellergeländer mit dem Haushalt des Steuerpflichtigen verknüpft sei, ist es für eine Begünstigung nach § 35a EStG maßgebend, wo die entsprechende Tätigkeit geleistet wird. Allein die Benutzung eines außerhalb des Haushalts gefertigten Gegenstandes im Haushalt des Steuerpflichtigen reiche zur Begründung eines räumlich-funktionalen Zusammenhangs nicht aus.

Sollten auch Sie Fragen zum Steuerrecht haben, so steht Ihnen unserer Kanzlei Rechtsanwalt und Steuerberater Tobias Rommelspacher als Fachanwalt für Erb- und Steuerrecht gerne zur Verfügung. Wir beraten und vertreten Sie in der gesamten Region Oberschwaben und Bodensee an unseren drei Standorten in Ravensburg – Wangen – Isny.

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Änderungen bei Midijobs ab 01.07.2019 – Gleitzone wird zum Übergangsbereich

Mit dem „Zweiten Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ wurde zum 1.4.2003 die sog. Gleitzone eingeführt. Danach wurden Arbeitnehmer, die nur knapp über der Geringfügigkeitsgrenze von 450,00 € verdienten, bei den Abzügen durch verminderte Beiträge zur Sozialversicherung entlastet. Die monatliche Entgeltgrenze für Beschäftigte in dieser Gleitzone lag bei 850,00 Euro. Mit dem „RV-Leistungsverbesserungs- und –Stabilisierungsgesetz“ wird die monatliche Entgeltgrenze nun zum 01.07.2019 auf 1.300,00 Euro angehoben. Zudem führen die reduzierten Beiträge des Arbeitnehmers zur Rentenversicherung zukünftig innerhalb dieser Grenze nicht mehr zu reduzierten Rentenansprüchen, indem die Entgeltpunkte für Beitragszeiten anstelle aus dem verringerten beitragspflichtigen Arbeitsentgelt aus dem tatsächlichen Arbeitsentgelt ermittelt werden. Ihnen entstehen dadurch trotz reduzierter Rentenversicherungsbeiträge also keine Rentennachteile mehr. Nach der gesetzlichen Definition wird aus der bisherigen Gleitzone ab dem 1.7.2019 der neue Übergangsbereich.

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Abstandspilot und der Vorwurf der Nichteinhaltung des Mindestabstandes

In immer mehr Fahrzeugen befinden sich sogenannte Fahrerassistenzpakete. Als Bestandteil eines Fahrerassistenzpaketes kann ein sogenannter Abstandspilot enthalten sein. Es stellt sich die Frage, ob ein Pkw-Lenker auf diese Funktionsweise vertrauen darf und sich daher im Rahmen des Vorwurfs wegen fahrlässiger Nichteinhaltung des Mindestabstandes zu einem vorausfahrenden Fahrzeug entlasten kann. Das Oberlandesgericht Bamberg hatte hierzu in einem Rechtsbeschwerdeverfahren darüber zu entscheiden, nachdem ein Pkw-Lenker vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Nichteinhaltung des Mindestabstandes zu einem vorausfahrenden Fahrzeug zu einer Geldbuße und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt wurde. Der betroffene PKW-Lenker ging in die Rechtsbeschwerde und begründete diese damit, dass er auf die Funktion eines in seinem Fahrzeug als Bestandteil eines Fahrerassistenzpakets verbauten Abstandspiloten vertraut habe und somit davon ausgegangen war, dass auch der Mindestabstand eingehalten wäre. Mit dieser Begründung wollte er darlegen, dass er den ihm obliegenden Pflichten nachgekommen sei. Dies sah das OLG Bamberg, ebenso wie das vorangegangene Amtsgericht, jedoch anders. Ein PKW-Lenker könne auf einen derartigen Abstandspiloten nicht ausschließlich vertrauen. Dies wäre mit den ihm obliegenden Pflichten eines Fahrzeugführers unvereinbar. Der Pkw-Lenker habe selbst die Verkehrssituation mit „seinen eigenen Augen wahrzunehmen“. Wenn er auf einen Abstandspiloten vertraue, sei dies mit der ordnungsgemäßen Erfüllung der Pflichten im Straßenverkehr nicht im Ansatz vereinbar.

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Zulässigkeit einer Groß-Kita in einem (faktischen) Reinen Wohngebiet?

Sog. Groß-Kitas lösen immer wieder Streit über die Zulässigkeit derselben insbesondere in Wohngebieten aus. Diese „Konfliktlage“ war Gegenstand einer Entscheidung des OVG Schleswig-Holstein vom 01.02.2019. Der Sachverhalt:

Der Eigentümer eines Wohngrundstückes im nichtbeplanten Innenbereich wandte sich im Eilverfahren gegen eine Baugenehmigung für den Neubau einer Kindestagesstätte für insgesamt 84 Kinder. Das Bauvorhaben (BV) umfasste auch ein Elterncafé sowie eine Cafeteria. Der Eigentümer vertrat den Standpunkt, die Baugenehmigung verletze seinen Gebietserhaltungsanspruch und das Gebot der Rücksichtnahme. Er beklagt vor allem auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen durch das Bringen und Abholen der Kinder und die damit verbundenen Lärmbelästigungen der Wohnanlieger. Aufgrund dessen sei die Kita nicht wohngebietsverträglich.

Der Antrag blieb erfolglos. Das OVG konnte dabei offen lassen, ob das Gebiet planungsrechtlich als Reines oder (nur) Allgemeines Wohngebiet zu qualifizieren ist. Denn aus Sicht des Obergerichtes verstoße eine Kindertagesstätte in dieser Größenordnung auch in einem Reinen Wohngebiet nicht gegen den Gebietserhaltungsanspruch. Vielmehr könne diese dort im Wege einer Ausnahme als Anlage für soziale Zwecke zugelassen werden. Dies umfasse auch die Annex-Nutzung als Elterncafé / Cafeteria.

In der Abwägung sei zugunsten des BV zu sehen, dass Kinderlärm aufgrund der gesetzgeberischen Wertung im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung darstelle. Auch hätten die Orientierungswerte der TA‑Lärm zur Beurteilung der Zumutbarkeit der Lärmbeeinträchtigung nicht herangezogen werden können, weil dieses Regelwerk auf Anlagen für soziale Zwecke keine Anwendung finde. Aus diesen Wertungen ergebe sich folgerichtig, dass mit Kindertagesstätten verbundene Auswirkungen, wie Kinderlärm oder Verkehrsimmissionen, grundsätzlich von den Nachbarn hinzunehmen seien.

Anmerkung: Das OVG hat in seiner Entscheidung mustergültig die gesetzlichen Wertungen herausgearbeitet, was auch erforderlich war, um zu begründen, weshalb auch eine „große“ Kita mit gebietsübergreifendem Einzugsbereich nicht mit dem Charakter eines Reinen Wohngebietes kollidiert.

Es wird abzuwarten sein, ob sich diese Rechtsprechung etabliert.

Quelle: IBR 06, 346

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Höheres Kindergeld ab Juli wirkt sich auf die Barunterhaltspflicht aus

Ab dem 01.07.2019 beträgt das Kindergeld für das 1. und 2. Kind 204,00 € monatlich, für das 3. Kind 210,00 € monatlich und ab dem 4. Kind 235,00 € monatlich. Die Erhöhung der Kindergeldbeträge um jeweils 10,00 € pro Kind führt dazu, dass sich der Zahlbetrag des barunterhaltspflichtigen Elternteils um 5,00 € pro Monat verringert, wenn es sich um einen Unterhaltstitel nach § 1612a BGB handelt. Hintergrund ist, dass bei minderjährigen Kindern, für die der betreuende Elternteil den Betreuungsunterhalt leistet, die Hälfte des staatlichen Kindergeldes auf die Barunterhaltspflicht des anderen Elternteil angerechnet wird.

Wenn Sie Kindesunterhalt für Ihr Kind oder Ihre Kinder bezahlen, denken Sie bitte bei der Überweisung ab Juli 2019 daran, den Überweisungsbetrag entsprechend zu ändern.

Bei allen Fragen rund um das Thema Unterhalt steht Ihnen Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht Antje Rommelspacher gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie bei Bedarf einen Besprechungstermin über unser Sekretariat.

Antje Rommelspacher

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Fortgeltung Wirtschaftsplan nicht abstrakt generell möglich

Im Wohnungseigentumsrecht sind nicht nur die Jahresabrechnung, sondern auch der Wirtschaftsplan immer wieder Diskussionspunkte. Was aber tun, wenn aufgrund von Rückfragen, fehlenden Unterlagen oder dergleichen eine zumindest mehrheitliche Beschlussfassung des Wirtschaftsplanes nicht gelingt?

Viele professionelle Hausverwalter helfen sich damit, dass ein beschlossener Wirtschaftsplan solange fortgelten soll, bis der nächste Wirtschaftsplan rechtskräftig beschlossen ist. Doch gilt dies für alle Fälle?

Der BGH hat nun entschieden, dass im Einzelfall ein konkret bereits vorliegender Wirtschaftsplan durch Beschluss der Eigentümer fortgelten kann. Nicht hingegen ist es möglich, ganz allgemein zu beschließen, dass künftig jeder Wirtschaftsplan solange gilt, bis der nachfolgende beschlossen ist. Solch eine Regelung, die je nach Größe der Eigentümergemeinschaft und Verhältnis der Wohnungseigentümer untereinander durchaus sinnvoll sein kann, ist laut der Entscheidung des Bundesgerichtshofs nur durch eine Vereinbarung möglich. (Quelle: BGH, Urteil vom 14.12.2018 – V ZR 2/1)

Falls auch Sie Fragen zum Mietrecht, Eigenbedarfskündigungen, Mietminderungen und Mietmängeln oder Schönheitsreparaturen haben, so steht Ihnen in unserer Kanzlei Rechtsanwalt Dr. Mattes gerne zur Verfügung. Wir beraten und vertreten Sie in der gesamten Region Oberschwaben und Bodensee an unseren drei Standorten in Ravensburg; – Wangen; – Isny;.
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Schadensverursachung durch Aussteigen eines Mitfahrers auf dem Parkplatz eines Supermarktes

Der Europäische Gerichtshof musste sich mit der Frage beschäftigen, ob eine Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung für Schäden einzutreten hat, die ein Mitfahrer eines PKW einem anderen Fahrzeug beim Aussteigen auf einem Parkplatz eines Supermarktes zugefügt hat. Der durch diesen Vorgang geschädigte Dritte kann seinen Anspruch auf Schadensersatz gegen den Versicherer direkt geltend machen, da es sich bei der Kfz-Haftpflichtversicherung um eine Haftpflichtversicherung zur Erfüllung einer nach dem Pflichtversicherungsgesetz bestehenden Versicherungspflicht handelt. Das Pflichtversicherungsgesetz bzw. dessen Änderung beruht unter anderem auf EG-Richtlinien. Die Versicherungspflicht sollte der Abdeckung von Schäden dienen, die durch den Gebrauch eines Fahrzeugs verursacht werden. Es stellte sich danach die Frage, ob das Aussteigen eines Mitfahrers noch als Benutzung eines Kfz und somit als Gebrauch des Fahrzeugs anzusehen ist. Zum einen stand das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Schadensherbeiführung und zum anderen ereignete sich der Unfall auf einem Parkplatz eines Supermarktes. Der Europäische Gerichtshof legte den Begriff „Benutzung eines Kfz“ dahingehend aus, dass dieser Begriff sich nicht nur auf Situationen der Benutzung im Straßenverkehr und somit auf öffentlichen Straßen beschränkt, sondern dass dieser Begriff jede Benutzung eines Fahrzeugs umfasst, die dessen gewöhnlicher Funktion entspricht, somit unter anderem die Verwendung des Fahrzeugs als Transportmittel. Das Öffnen einer Tür entspreche der Verwendung eines Fahrzeugs in der Funktion als Transportmittel. Hierzu gehört das Ein- und Aussteigen oder das Be- und Entladen von Gütern. Dies unabhängig davon, ob das Fahrzeug zum Unfallzeitpunkt steht und sich auf dem Parkplatz befindet. Unerheblich sei, ob der Motor des betroffenen Fahrzeugs bei Eintritt des Unfalls läuft oder nicht. Weiter wurde durch den Europäischen Gerichtshof dargelegt, dass es nicht von Merkmalen des Geländes abhängig sei, und somit auch einen Parkplatz eines Supermarktes umfasse. Nicht entscheidungserheblich sei auch, ob die Handlung durch den Fahrer, Beifahrer oder Mitfahrer verursacht worden sei. Ausgehend von dieser Auslegung der europäischen Richtlinie war die Voraussetzung für die Haftung durch den Haftpflichtversicherer gegeben.

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„Reservierungsvereinbarung!“ Muss diese notariell beurkundet werden?

Über diese Konstellation hatte das Amtsgericht Dortmund mit Urteil vom 21.08.2018 – 425 C 3166/18 – zu entscheiden. Dem lag folgendes zugrunde:

Ein Bauträger und ein (potentieller) Erwerber schlossen privatschriftlich eine sogenannte Reservierungsvereinbarung, die auszugsweise lautete:

„Der Auftragnehmer wird dem Auftraggeber die oben bezeichnete Immobilie bis zum … reservieren, d. h. er wird in diesem Zeitraum keinen diesbezüglichen Vertrag mit einem Dritten schließen. Sollten bis dahin die erforderlichen Unterlagen gemäß § … dieses Vertrages sowie der Kaufvertragsentwurf noch nicht vollständig vorliegen, verlängert sich diese Frist entsprechend.“

Als „Reservierungsgebühr“ wurde ein Betrag i. H. v. 3.000,00 € vereinbart. Nachfolgend übergab der Bauträger eine Planung nebst Kostenaufstellung für das auf dem Erwerbsgrundstück zu errichtende Gebäude. Danach teilte der Erwerber aufgrund von Unstimmigkeiten mit, dass er sein Interesse an dem Vertragsschluss mit dem Bauträger verloren habe. Gleichzeitig forderte dieser die gezahlten 3.000,00 € zurück.

Dies mit Erfolg. Denn die Reservierungsvereinbarung ist formunwirksam, weil diese nicht notariell beurkundet wurde (§§ 125, 311 b Abs. 1 BGB).

Eine Beurkundungsbedürftigkeit – so das Amtsgericht – bestehe immer dann, wenn ein unangemessener Druck auf den Erwerber des Grundstückes ausgeübt werde. Ein solcher Druck bestehe nach höchstrichterlicher Rechtsprechung vor dem Grundstückskauf bereits dann, wenn der Erwerber mehr als ca. 0,3 % des Kaufpreises als Reservierungsgebühr zahlen müsse. Diese Grenzziehung könne auch auf eine Reservierungsvereinbarung mit einem Bauträger übertragen werden. Zwar sei der Erwerber nicht verpflichtet, das Objekt zu erwerben. Erwirbt er es aber nicht, verliere er die gezahlte Reservierungsgebühr, die im vorliegenden Fall mit rund 1,1 % des potentiellen Erwerbspreises die durch die Rechtsprechung gezogene Grenze überschreite. Einen weiteren Unwirksamkeitsgrund sah das Gericht auch darin, dass sich die Reservierungsfrist bei Verzögerungen, die ausschließlich im Einflussbereich des Bauträgers liegen, nicht verlängere, was ein Verstoß gegen § 307 Abs. 1 BGB impliziere.

Anmerkung: Die Entscheidung ist aus dem Blickwinkel potentieller Erwerber zu begrüßen. Ob im Einzelfall ein unangemessener Druck auf diesen zum Grundstückserwerb besteht, ist eine Einzelfallenscheidung und bedarf einer wertenden Betrachtung. Insofern stellt die Rechtsprechung zum einen auf eine prozentuale und zum anderen auf eine absolute Obergrenze ab.

Quelle: IBR 2019, 13

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Ersatz von Anwaltskosten bei Geltendmachung eines Ausgleichs wegen Flugverspätung

Die Fluggastrechte-VO sieht generell keine Pflicht zur (rechtzeitigen) Beförderung vor. Fluggästen stehen aber Rechte zu, wenn bestimmte vertraglich begründete Pflichten eines Luftfahrtunternehmens nicht oder nicht rechtzeitig erfüllt werden. Das Luftfahrtunternehmen ist verpflichtet, den Fluggast dahingehend aufzuklären, unter welchen Voraussetzungen, in welcher Höhe und gegen welches Unternehmen er einen Ausgleichsanspruch nach Art. 7 Fluggastrechte-VO hat. Hierfür hat das Luftfahrtunternehmen dem betroffenen Fluggast einen schriftlichen Hinweis auszuhändigen, der den Fluggast in die Lage versetzen muss, seine Rechte effektiv und ohne anwaltliche Hilfe wahrzunehmen. Der Verweis oder die Widergabe des Verordnungstextes genügt nicht.

Eine Erstattung der außergerichtlichen Anwaltskosten kann daher nicht erfolgen, wenn das ausführende Flugunternehmen

1. seiner Verpflichtung, den Fluggast wegen Annullierung, großer Verspätung oder Beförderungsverweigerung (Art. 14 Fluggastrechte-VO) auf seine Rechte hinzuweisen, nachgekommen ist oder

2. es sich mit der Erfüllung der Ausgleichsleistung nicht in Verzug befand.

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