Energieverbrauch übersteigt Angaben im Energiepass: Mangel?

Energieverbrauch übersteigt Angaben im Energiepass: Mangel?

Über die aufgeworfene Fragestellung hatte das OLG Schleswig im Rahmen einer Beschlussentscheidung vom 27.04.2017 (Az.: 1 U 166/14) zu entscheiden. Dem lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Der Auftraggeber (AG) und Bauherr eines Einfamilienhauses rügt Mängel mit der Begründung, dass das Gebäude zu viel Heizenergie verbrauche. Zur Begründung verweist er auf Angaben im Energiepass. Dem hält der Auftragnehmer (AN) entgegen, dass sich aus den Angaben des Energiepasses keine konkreten Verbrauchswerte für das streitgegenständliche Objekt ableiten lasse. Dieser definiere und beschreibe nur bauphysikalische Eigenschaften unter vorgegeben, standardisierten Bedingungen. Das Gericht erhebt Beweis durch Einholung eines Sachverständigengutachtens. Der Sachverständige legt in seinem Gutachten dar, dass der konkrete Energieverbrauch sich aus den Angaben des Energiepasses nicht errechnen lasse. Die im Energiepass enthaltenen Angaben hätten nur Aussagekraft über den Energiebedarf auf der Grundlage standardmäßig zugrunde gelegter Randbedingungen.

Das Gericht schließt sich der Auffassung des Sachverständigen an, weshalb die Mangelrüge des AG im Ergebnis ohne Erfolgt bleibt. Es erachtet die Ausführung des Sachverständigen für schlüssig und weist (ergänzend) darauf hin, dass die Angaben im Energiepass weder spezifische Standardfaktoren noch ein spezifisches Nutzungsverhalten wiedergeben (können).

Kommentar: Die im Ergebnis begrüßenswerte Entscheidung räumt mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: Aus den Angaben im Energiepass kann ein Verbraucher keine Schlussfolgerungen darauf ziehen, welche Energiekosten das jeweilige Haus im Einzelfall verursacht. Die Angaben im Energiepass sollen es dem Verbraucher lediglich ermöglichen, verschiedentliche Häuser unterschiedlicher Hersteller im Hinblick auf ihre jeweiligen bauphysikalischen Eigenschaften bzw. auch die Leistungsfähigkeit haustechnischer Anlagen untereinander zu vergleichen. Aus dieser Betrachtung folgt, dass der Vergleich in der Bauart identischer Häuser, die von Bewohnern mit unterschiedlichem Nutzungsverhalten bewohnt werden, zu notwendig unterschiedlichen Verbrauchswerten führt. Allein deswegen lässt sich die Mangelhaftigkeit eines Bauwerkes nicht (allein) auf vermeintlich fehlerhafte Angaben im einem Energiepass ableiten.

Walther Glaser
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Quelle: IBR 2017, 494

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