Delaminationen bei Fenstern: Wann ist Mangelhaftigkeit gegeben?

Delaminationen bei Fenstern: Wann ist Mangelhaftigkeit gegeben?

Im Nachunternehmerauftrag lieferte ein Fachunternehmer Isolierglasscheiben und baute diese ein. Die Geltung der VOB/B war vereinbart.

Erhebliche Zeit nach Abnahme der Leistung, aber noch vor Eintritt der Verjährung, zeigte der Generalunternehmer (GU) Mängel in Form von Delaminationen (Wurmfraß ähnliche Ablösungen in Form sich ausweitender Lufteinschlüsse) an. Der Nachunternehmer erkannte die Mängel nicht an. Der zunächst von seinem Auftraggeber zur Zahlung eines Vorschuss verpflichtete GU verlangte daraufhin von seinem Nachunternehmer eine Kostenvorschusszahlung zur Beseitigung der von diesem bestrittenen Mängel.

Die Entscheidung:
Das Kammergericht konstatierte mit Urteil vom 31.07.2013 (Az.: 21 U 138/12) dass die eingebauten Fenster nicht den anerkannten Regeln der Bautechnik entsprechen. In Folge einer chemischen Beeinflussung zwischen der Sekundärdichtung des Randverbundes und dem Gießharz (die Mängelerscheinungen) treten  auf. Über die Sekundärdichtung dringen Weichmacherpartikel aus dem Dichtstoff des Isolierglasverbunds in der

Gießharzschicht ein wonach sich die Haftung zwischen der Grenzschicht Gießharz und der Glasoberfläche löse. Dabei würden die wurmförmige Mäander entstehen.

Insbesondere aber stellte das KG fest, dass nicht nur die betroffen, sondern sämtliche Fenster mängelbehaftet seien. Für einen Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik habe der Nachunternehmer einzustehen, ohne dass das Bauwerk noch zusätzlich beeinträchtigt sein muss.

Der BGH wies mit Beschluss vom 29.06.2016 die dagegen gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde des Nachunternehmers zurück.

Hinweis:
Die Entscheidung bestätigt die bisherige Rechtsprechung. Auch wenn sich Mangelerscheinungen nur an einigen Stellen eines Bauwerks abzeichnen, bedarf es dann keiner sachverständigen Begutachtung eines jeden einzelnen Bauteils, wenn davon auszugehen ist, dass diese gleich konstruiert sind; d.h. die Konstruktion selbst Schwächen im Sinne eines Systemmangels aufweist. Dabei ist für die Frage, ob eine Werkleistung mangelhaft ist, nicht entscheidend, ob diese bereits zu einem Schaden am Bauwerk geführt hat. Vielmehr liegt der Schaden im Mangel selbst (so auch OLG Frankfurt, IBR 2011, 698).

 

Walther Glaser
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Quelle: IBR RS 2016, 2928

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