Diskriminierung bei der Bewerbung für die Mitarbeit in einem jungen, dynamischen Team?

Eine Diskriminierung bei der Bewerbung wegen des Alters ist in rechtlicher Hinsicht verboten: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet nicht nur eine altersdiskriminierende Stellenbesetzung, sondern schon im Vorfeld der Bewerberauswahl eine Stellenausschreibung, die so abgefasst ist, dass sie die Bewerbung von objektiv geeigneten älteren Arbeitnehmern chancenlos erscheinen lässt (§ 7 Abs.1 i.V.m. § 11 AGG). Erleidet ein Bewerber oder eine Bewerberin eine Diskriminierung wegen des Alters, steht ihr bzw. ihm wie anderen Diskriminierungsopfern eine angemessene Entschädigung in Geld zu (§ 15 Abs. 2 AGG). Kaum ein Arbeitgeber wird deshalb offen zugestehen, nur junge Mitarbeiter einstellen zu wollen. In der Praxis wird deshalb meist darüber gestritten, ob ein bestimmtes Anforderungsprofil oder eine Stellenbeschreibung bereits eine mittelbare Diskriminierung im Sinne von § 3 Abs. 2 AGG darstellt. So müssen abgelehnte Bewerber im Prozess für einen Entschädigungsanspruch nämlich nicht die Diskriminierung selbst beweisen, sondern nur Anhaltspunkte, die mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine Diskriminierung bei der Bewerbung hindeuten (§ 22 AGG). Solche Hinweise lassen sich oftmals bereits in der Stellenausschreibung finden. So hatte sich jüngst auch das BAG mit der Frage auseinanderzusetzen, ob die Formulierung in einer Stellenausschreibung, wonach dem/der Bewerber/in eine Tätigkeit in einem professionellen Umfeld „mit einem jungen dynamischen Team“ geboten wird, eine unmittelbare Diskriminierung wegen des Alters i.S.v. § 3 I AGG bewirkt (BAG, Urteil vom 11.08.2016 – 8 AZR 406/14). Anders als die Vorinstanz hat das höchste deutsche Arbeitsgericht in dem beschriebenen Arbeitsumfeld – junges dynamisches Team – eine mittelbare Diskriminierung wegen des Alters angenommen, weil in dieser Umschreibung nicht nur die Botschaft enthalten sei, dass die Mitglieder des Teams jung sind, sondern auch, dass ein Arbeitnehmer gesucht werde, der ebenfalls jung ist. Andernfalls sei die Passage ohne Aussagegehalt und daher überflüssig. Verstärkt werde dies nach Auffassung des Gerichts durch den Begriff „dynamisch“, der eher jungen Mitarbeitern zugeschrieben werde. Im Ergebnis sei diese Formulierung in der Stellenanzeige daher als Indiz geeignet, die Vermutung i.S.v. § 22 AGG zu begründen, der abgelehnte Bewerber sei im Auswahlverfahren wegen seines Alters benachteiligt worden. Vor dem Hintergrund dieser Entscheidung sollten diese und ähnliche Formulierungen jedenfalls unter keinen Umständen mehr in Stellenanzeigen verwendet werden.

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