Unfallregulierung: Keine Wartepflicht auf höheres Restwertangebot der gegnerischen Versicherung

Bei der Regulierung von Verkehrsunfällen versuchen die Haftpflichtversicherer immer wieder den Fahrzeugschaden bei einem Totalschaden auf der Grundlage eines von ihnen selbst eingeholten, höheren Restwertangebotes abzuwickeln, obwohl der Geschädigte den Unfallwagen bereits an den im Schadensgutachten genannten Meistbietenden zu einem geringerem Restwert verkauft hat. Dies hat für den Geschädigten oftmals zur Folge, dass er auf einem Teil seines Schadens sitzen bleibt. Das AG Ravensburg hat in einem aktuellen Urteil vom 27.03.2014 (Az: 9 C 1213/13) einem Unfallgeschädigtem in einem solchen Fall Recht gegeben und ihm den Differenzbetrag zwischen den beiden Restwertangeboten aus folgenden Gründen zugesprochen:

„In Ausnahmefällen kann der Geschädigte aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebotes und seiner Schadensminderungspflicht gehalten sein, von einer Veräußerung zu dem Sachverständigenschätzwert Abstand zu nehmen und eine sich darbietende bessere Möglichkeit der Verwertung zu ergreifen. Ihre Voraussetzungen stehen ebenfalls zur Beweislast des Schädigers. Sie sind in engen Grenzen zu halten, weil anderenfalls die dem Geschädigten nach § 249 Abs. 2 S. 1 BGB zustehende Ersetzungsbefugnis unterlaufen würde.

Eine Schadensminderungspflicht nimmt der BGH an, wenn der Geschädigte mühelos einen höheren als den von dem Sachverständigen genannten Wert zu erzielen vermag, oder wenn der Schädiger ihm eine ohne weiteres zugängliche günstigere Verwertungsmöglichkeit nachweist. Der Bundesgerichtshof hat dies für den Fall angenommen, dass die Beklagte Versicherung dem Geschädigten vor dessen Veräußerung des Fahrzeugs eine erheblich günstigere Verwertungsmöglichkeit unterbreitet, die dieser ohne weiteres hätte wahrnehmen können und deren Wahrnehmung ihm zumutbar war. Die Versicherung muss eine anderweitige, bessere Verwertungsmöglichkeit in einer Weise darbieten, dass der Schädiger auf das Angebot lediglich – etwa durch eine telefonische Annahme – zugreifen braucht und es sich für ihn als aufwands-und risikolos darstellt.“

Da dem Geschädigten eine solche Verwertungsmöglichkeit des Unfallwagens zu einem höheren Restwert beim Verkauf (noch) nicht vorlag, konnte das von der Versicherung eingeholte bessere Angebot keine Berücksichtigung finden, weil der Geschädigte nicht zum Zuwarten verpflichtet ist.

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