Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Arbeitgeber darf Attest ab dem ersten Krankheitstag verlangen

Wird ein Arbeitnehmer krank muss er eine ärztliche Bescheinigung grundsätzlich dann vorlegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage andauert. Von diesem Grundsatz kann der Arbeitgeber jedoch abweichen. Denn nach § 5 Abs. 1 Satz 3 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) ist der Arbeitgeber berechtigt, die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung früher als nach drei Kalendertagen zu verlangen und somit auch schon vom ersten Tag an.

Umstritten war bislang jedoch, ob der Arbeitgeber einen besonderen Grund dafür braucht, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung schon vom ersten Krankheitstag an zu fordern. Hierüber hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt zu entscheiden. Im konkreten Fall hatte eine Redakteurin bei einer Rundfunkanstalt einen Dienstreiseantrag für den 30.11.2010 gestellt, dem ihr Vorgesetzter nicht entsprach. Daraufhin meldete sie sich am Tag der beabsichtigten Dienstreise krank und erschien am Folgetag wieder zur Arbeit.

Das Gericht urteilte am 14.11.2012 (5 AZR 886/11), dass das Verlangen des Arbeitgebers auf Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstrag keiner sachlichen Rechtfertigung bedürfe. Insbesondere sei nicht erforderlich, dass gegen den Arbeitnehmer ein begründeter Verdacht bestehe, er habe in der Vergangenheit eine Erkrankung nur vorgetäuscht.

Das Urteil hat zwar nicht zur Folge, dass Arbeitnehmer nun automatisch bereits ab dem ersten Tag ihrer Krankheit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen. Es gibt Arbeitgebern jedoch die Möglichkeit eine entsprechende Regelung zu treffen.

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